Puh, den Karren habe ich dann doch noch aus dem Dreck gezogen. Auf dem privaten Depot vor allem mithilfe meiner 1000 Anteile long K.O.-Derivat für ORCL. Dadurch, dass ich die tapfer von 187 $ auf 201 $ gehalten habe, kamen da 1100 € Profit raus. Während ich gleichzeitig nur noch -770 € bei meiner Hauptposition mit 100 Aktien stand. Mir war klar, dass der Kurs wieder unter 200 $ fallen würde, darum die gesamten 1000 Anteile verkauft. Und voila – der Kurs fiel wieder auf 198 $, heute in der Vorbörse sogar auf 196 $. Für mein privates Depot heißt das: Der gesamte Verlust meiner 100 Aktien ist neutralisiert. Da sich auch MSTR von -850 € auf -380 € erholte (wovon ich durch meinen Hedge vorgestern die Hälfte abgefangen habe), bin ich für die Woche wieder flat. Nachdem ich zeitweise 3000 € in der Miese war. Gestern maximal -1300 €.
Allerdings war ich mir sehr sicher, dass ORCL keine 20 % fallen würde. 190 $ war das unterste Netz – das würde beim Sturz höchstens etwas nach unten ausdehnen, dann aber zurückkommen. Und das tat es. Nicht, dass ich hellsehen kann (sonst stände ich woanders), aber manchmal ergeben all die Informationen, die man aufsaugt, eine Conviction, auf die man sich verlassen kann.
Nach dem Verkauf des ORCL long K.O. kaufte ich 1000 Anteile long K.O. von HOOD (K.O.-Level 93 $). Downgrades sind bei Retail-beliebten Aktien eigentlich immer eine Einladung für einen Dipkauf. Vielleicht kommt heute schon raus, wer der große Player den Dip ebenfalls kaufte – dann geht es wieder steil und in ein paar Wochen neue Zielkurse. Lächerliches Spiel mit den Zielkursen.
Meine Aufstellung privat: 50 Aktien MSTR, 100 Aktien ORCL, 1000 Anteile long (oder 100 Aktien) HOOD.
Auf dem geschäftlichen EinTrickPony gelang mir Ähnliches. Von -800 € für meine 50 Aktien ORCL kam ich nach der Aufstockung auf 100 Aktien im gestrigen Tiefstand auf Plus-Minus-Null (zeitweise 100–200 € im Plus). NOVO rockte gestern noch und NFLX hörte auf, wie ein Stein zu fallen. In Summe bedeutete das ein neues ATH für das EinTrickPony. Werde ich heute schon die 50 % ROI seit Depoteröffnung im Mai 2024 knacken? Stehe jetzt bei 48 % – und wenn es heute kein Blutbad gibt, dann ist das durchaus möglich. YTD 36,94 %, Sharpe 1,02 – gegenüber 1,1 vom MSCI World. Obwohl ich gestern durch ORCL einen erhöhten Swing hatte. Allerdings fällt ein 800 €-Swing bei knapp 70k wohl nicht ins Gewicht; wobei ich persönlich solche Swings eigentlich in Zukunft vermeiden möchte.
Die Volatilität des EinTrickPony-Depots habe ich in den letzten zwei Monaten erheblich verbessert, mit fast exakten Dipkäufen und gnadenlosen Verkäufen bei Rebounds, sodass es eigentlich nur stetiges Wachstum ohne große Rücksetzer gab. Auch wenn mein privates Depot noch struggled, ich bin ein sehr viel besserer Trader geworden. Für mich zählt nicht nur der Gewinn, sondern auch, wie ich ihn erziele. Ich stelle mir vor, ich verwalte das Geld von anderen Investoren. Nie im Leben könnte ich denen zumuten, was Michael Burry seinen Investoren im Vorfeld der Finanzkrise 2008 zumutete. Keine Achterbahnfahrt, sondern stetiges Wachstum mit minimalen Setbacks, verlässlich wie ein Uhrwerk. So würde ich es zumindest von einem Profi erwarten, der Geld dafür bekommt, dass er mein Geld verwaltet und vermehrt. Was er privat macht, ist mir egal, Hauptsache ist, dass er geschäftlich astrein ist. Es ist seine Aufgabe, Rücksetzer zu antizipieren und entsprechend abzufedern, Airbags zu schaffen, sodass mein Geld nicht einfach dem wilden Markt ausgeliefert ist. Er hat es vor dem wilden Treiben zu schützen. Er muss wittern, wann es Zeit ist Geld aus dem Markt zu nehmen, und wann es Zeit ist, aggressiv in Aktien zu gehen. Das ist mein Anspruch an das EinTrickPony-Depot. Bislang sieht das vernünftig aus. Das Aftermath vom Liberation Day hat mich in dieser Hinsicht enorm geschult. Und es werden nicht die letzten Turbulenzen gewesen sein. Investieren ist eine Kunst, keine reine Mathematik. Angst und Gier sind schwer zu messen, man muss sie selbst fühlen und entsprechend handeln. Momentan ist der Markt skeptisch, obwohl Assets auf Rekordniveaus – das ist gesund. Nicht gesund ist, wenn der Markt tut, als gäbe es nichts Negatives auf dem Weg zum Walhalla.
Schließlich ist da noch immer der Supreme Court mit der Entscheidung zu Trumps Zöllen.
Wie ist also mein Schlachtplan für heute? Natürlich erstmal auf Sicht arbeiten. Im EinTrickPony fühle ich mich mit NOVO 200, NFLX 100 und ORCL 100 gut aufgestellt – alles Rebound-Kandidaten. Broadcom hatte gestern Zahlen, tippte alle Erwartungen und ist dennoch im Minus. Mal sehen, was bei Börsenstart passiert, aber eigentlich will ich nicht noch einen AI-Player ins Nest haben. Dazu ist mir über X Aduro Clean Technologies (eine innovative Recyclingfirma, nur 500 Millionen Market Cap) ins Auge gesprungen. Ein User schrieb gestern Morgen, dass dies und Adobe bereit für einen Ausbruch seien. Und siehe da, beide brachen aus. ADUR sogar 12 %. Von kleinen Market Caps halte ich mich eigentlich fern, aber ich weiß auch, dass die 10-Bagger da unten lauern. Ist jedenfalls auf meinem Schirm und ich bekomme mal ein Gefühl für die Preisbewegungen. Ansonsten werde ich auf das reagieren, das mir die US-Börse heute gibt.
Ach ja, meine Nacht war übrigens besser als die gestrige. Ohne Reue über Moves schläft es sich einfach besser. Aber wenn ich mich nicht gerade körperlich völlig kaputt gearbeitet habe, finde ich immer etwas, das ich bereuen kann. Ich habe ja die Hoffnung, dass dies irgendwann aufhört, sobald ich finanziell aus dem Hamsterrad raus bin. Aber wer weiß.
Disclaimer: Keine Finanzberatung – nur mein öffentliches Trading-Journal.