Blog #22

29. Dezember 2025
Cash Heavy und Stock Based Compensation

Neben einem Familienausflug habe ich die letzte Woche damit verbracht, den Blog von Michael Burry (ja, ich habe ihn abonniert) und die Transkripte der Shareholder Meetings von Berkshire Hathaway zu verschlingen. Letzteres in Form eines Hörbuchs mit dem Namen „Buffett & Munger Unscripted“. Nachdem ich die Essays von Warren Buffett und „Poor Charlie’s Almanack“ ebenfalls als Hörbuch konsumiert habe. Perfekte Mischung, um bearish zu werden – denn wenn man den aktuellen AI-Boom oder generell den AI-dominierten Index so betrachtet, bleibt kein anderes Resümee übrig, als dass wir uns im Lalaland befinden.

Herausragend ist die Kritik von Burry an Fed-Chef Powell, der vor einigen Wochen meinte, dass der AI-Boom nicht mit der Dotcom-Bubble zu vergleichen ist, da die Firmen heute echte Gewinne machen, während damals die Firmen nur Ideen hatten. Was nicht stimmt – die unprofitablen Firmen ohne wirkliches Produkt kamen erst später. Getrieben wurde die Blase von den damaligen „Four Horsemen“ – Intel, Microsoft, Dell und Cisco. Damals sehr profitable Unternehmen. Wenn also selbst die Fed einem falschen Narrativ unterliegt wie damals Greenspan, der auch keine Housing Bubble erkannte, dann befinden wir uns womöglich auf sehr dünnem Eis. Und ich habe die Verantwortung, dass mein Vermögen nicht auf diesem Eis steht, wenn es einbricht. Darum bin ich nun Cash-Heavy.

Leider habe ich letzten Dienstag nicht meine HOOD-Call-Option mit 250 € Profit verkauft, weil ich dachte, die deutsche Börse wäre auch am 24.12. teilweise offen. So war ich handlungsunfähig, als US-Tech am Freitag ins Minus ging und heute in der Vorbörse noch weiter unten war. Immerhin glich mein TSLA-Put den Verlust des Profits aus, sodass ich heute dennoch leicht im Plus war. Zum Beginn der US-Börse verkaufte ich dann TSLA mit einem Plus von über 300 € und halbierte meine HOOD-Position, nachdem Tech nach dem Drop zur Eröffnung einen Erholungsversuch startete. Der natürlich scheiterte und sowohl HOOD als auch TSLA befinden sich fast dort, wo sie heute in der Vorbörse standen. Denke, dass es heute noch etwas weiter runtergeht. Ggf. kaufe ich vor Börsenschluss die andere Hälfte meiner HOOD-Put günstiger zurück und setze auf einen Rebound in dieser Woche. Vielleicht beobachte ich auch einfach nur, wartend auf einen richtigen Crash, weil der Markt sich seiner selbst bewusst wird. Wobei ich glaube, dass die großen Player sehr genau wissen, worin wir uns befinden, es aber spielen müssen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Ihr Vorteil sind die schnellen Algotrades, die ihnen erlauben, aus dem Markt zu springen, sobald die Musik nur etwas leiser wird.

Ein anderer wichtiger Punkt, der sowohl bei Buffett als auch Burry aufkam, sind SBC – Stock Based Compensations. Belohnungen für Mitarbeiter einer Aktiengesellschaft – meist in den Managerebenen. Und vor allem bei beliebten Tech-Unternehmen fallen die gerne mal zu 5 % vom Revenue aus. Den Vogel schießt allerdings ORCL mit ca. 8 % vom Revenue ab. Buffett nennt das Bereicherung des Managements am Geld der Aktionäre. Das Management nennt das Incentives, um Talent zu binden. Und „Gier ist gut“ sagte Gordon Gekko.

Zudem relativiert das nimmersatte Management den Griff in die Kasse der Aktionäre mit Share-Buyback-Programmen. Wobei die Buybacks meistens dann stattfinden, wenn die Aktie völlig überbewertet ist. Auf dem Schaden der Aktionäre folgt dann der Schaden am Unternehmen. Eine gängige Verschlimmbesserung – der Arzt bricht dem Patienten den Arm, damit der verstauchte Finger nicht mehr so im Fokus steht.

Das geht alles gut, solange der Hype anhält, kollabiert jedoch, wenn die Luft einmal raus ist. Was bleibt sind reiche Executives und geplünderte Aktionäre. Unternehmen mit solchen Praktiken sind darum kein Investment, auf dem man schlafen kann, sondern nur kurzfristige Trades wert. Auf Tesla könnte ich nicht mit 80 % meines Vermögens schlafen. So auch nicht auf Palantir oder NVIDIA oder Bitcoin. Gambling ist keine Strategie. Cash-Heavy sein und auf der Lauer liegen, bis der Markt kollabiert, dagegen schon. Und wenn ich TSLA im Crash gekauft habe, schlafe ich damit bestimmt besser als jetzt bei einer außerirdischen Bewertung auf Basis von Hopium. Buffett kaufte Coke 1988 im Aftermath vom Black Monday am 19. Oktober 1987. Und die Strategie besteht seither fort wie Munger bei einem der Shareholder Meetings betonte: Wir akkumulieren Cash und warten auf den Crash. Wir sehnen ihn nicht herbei, aber wenn er kommt, dann schlagen wir zu.

Und genau darum ist es so wichtig, die Fundamentals von Firmen zu studieren, um im Falle des Falls genau zu wissen, welche Firmen frei von Malpractice sind und welche man in einem Crash kauft, ohne von der Qual der Wahl gelähmt zu werden.

Wie auch immer, auf dem EinTrickPony-Depot habe ich zusätzlich meine ORCL-Position in der kurzen Erholungsphase vorhin verkauft und halte dort nur noch NOVO mit NFLX, wobei ich letzteres am liebsten auch rausgeschmissen hätte, weil dort die gleiche Malpractice mit SBC und Buybacks gemacht wird. Aber ich bin schon bei 13 Trades für den Monat – doppelt mein Soll –, außerdem stehe ich da noch -550 € und spekuliere auf einen Rebound. Bei NOVO gibt es dagegen keine üppigen SBC, generell sind europäische und insbesondere deutsche Firmen da nicht so ungeniert. I.d.R. unter 1 %, selbst bei der Deutschen Bank.

Jetzige Aufstellung:

EinTrickPony (geschäftlich, YTD 38,48 %): 200 NOVO, 100 NFLX

Trade Republic (privat, -31,85k €): 100 ADUR, 500 Long-K.O. 94 USD HOOD

Disclaimer: Keine Finanzberatung – nur mein öffentliches Trading-Journal.

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