Das Jahr fängt schon gut an. Eigentlich wollte ich am Wochenende Nachrichten vermeiden, doch durch mein Stöbern in Finanzreports von unterbewerteten deutschen Unternehmen poppte plötzlich die Pressemitteilung von Trump zum Angriff auf Venezuela auf. Dann war es geschehen. Allerdings war damit schon alles vorbei: Stürmen, Maduro rausholen, Krieg vorbei. Okay, wieder mal ein kleiner Wochenend-Krieg, um die Märkte nicht in Turbulenzen zu stürzen. Bitcoin blieb nach einem kurzen Ausverkauf nicht nur stabil, sondern legte noch weiter zu, jetzt auf über 91k, also noch über dem Preislevel von Freitag. Bin gespannt, wie die Märkte morgen öffnen, denn ja, ich bin natürlich wieder investiert.
Klar, durch meine intensive Lektüre von Burry und Buffett bin ich mal wieder im bearishen Gefilde. Aber: Ich habe auch gesehen, was der Post von Burry über Molina Healthcare (MOH) machte. Er trieb den Kurs von MOH seit der ersten Erwähnung am 18. November 2025 nämlich 33–34 % in die Höhe. Was sagt mir das? Jedenfalls, dass Burry kein Nischenwissen ist, sondern Mainstream unter den Retailinvestoren. Würde mich also nicht wundern, wenn Burry mit der Wall Street unter einer Decke steckt, um den AI- und Bitcoin-FUD zu verbreiten. Dann aber ist da so viel Korrelation ohne Kausalität im Spiel, dass man nie weiß, was man weiß oder gar wissen kann.
Ich springe generell nicht auf Tips von irgendwelchen Influencern an, lasse mich höchstens inspirieren bzw. versuche, meine Perspektive zu schärfen und bevorzuge meine eigenen Entdeckungen, die ich mit dem neu erworbenen Wissen mache. Wenn ich nicht gerade in den Dip von sonst so geliebten Aktien einkaufe – wie aktuell NFLX und am Freitag wieder mal PLTR und TSLA.
Letzteres habe ich am Jahresende bei 490 USD geshortet und bei 463 USD mit +350 € abgeschlossen - und somit den Drop auf 440 USD verpasst. Und nachdem sowohl PLTR als auch TSLA (nach dem Peak bei ca. 499 USD) die letzten sieben Handelstage gefallen sind, war ich der Meinung, dass der V-Move nicht mehr weit sein kann. Zumal der 02.01.2026 ein Freitag war, an dem noch nicht alle Player am Tisch waren. Und nachdem ich genau das bei CRWV am 31.12.2024 dachte, als der Kurs nochmal um 4 % fiel und in Kombi mit den Stürzen der Tage zuvor den ganzen 23 %-Sprung zunichtemachte. Den Sprung, an dem ich ca. 1000 € Profit machte und raussprang.
Auch am 31.12. trieb mich meine Intuition dazu, CRWV über mein privates IBKR-Depot in USD zu kaufen (deutsche Börse war ja zu), machte es aber nicht, weil ich zum einen nicht in USD wechseln wollte und nicht direkt zum Jahresbeginn meine frischen 5k auf diesem Depot runterreißen wollte, falls ich falsch lag. Ich geduldete mich. Freitagmorgen war CRWV dann seit meinem Nichtkauf 4 % im Plus und ich schrieb das Ding ab. Wäre es weiter gefallen, wäre ich rein, da Margin of Safety. Und siehe da, CRWV ging in der Hauptbörsenzeit insgesamt 12 % steil hoch. Sowas tut weh, denn ich war drauf und dran gewesen, genau im Bottom 5k einzusetezn - was mir schon am ersten Tag des neuen Jahres über 500 € eingebracht hätte. Hätte, wäre, sollte…
Wie dem auch sei, Freitag stieg ich mit Long-K.O. in PLTR ein. V kam nicht, es ging weiter runter und runter und runter. Und ich vergrößerte meine Position. War bis zu 1,2k € mit dieser Position im Minus und hatte bis dahin 4000 Anteile aufgebaut, also eine Kaufkraft von ca. 56k € in Aktien, da 4k € drin × 14x-Hebel – also sehr enger K.O. bei 155 USD und Kurs bei 167 USD. Parallel kaufte ich Long-K.O. von TSLA, 1000 Anteile, ca. 4k € × 9x-Hebel. In Summe also Positionen, die ca. 90k in Aktienwert ausmachten. TSLA tauchte noch etwas ab, kam dann aber raus aus dem Tal, es formte sich der Ansatz eines V – 300 € im Plus. Gleiches passierte bei PLTR, da vermutlich gleicher Algo am Werk. Von -1,2k € bei PLTR rauf auf -300 €, somit sogar etwas Plus für den Tag, weil ich mit -150 € oder so mit meiner HOOD-Position startete – die ich im Laufe des Tages ins Plus brachte (nur 80 € oder so) und grundsätzlich über die letzten Tage nicht funktioniert hatte, aber von mir gut behandelt wurde, sodass ich keinen Verlust an der Position machte. D.h. Break-Even vor Jahreswechsel halbiert und am Freitag im Tief aufgestockt, dann bei intraday-Rebound komplett verkauft.
Da sich der Handelstag dem Ende neigte und ich nicht mit ca. 10k € auf zwei sehr riskanten Positionen sitzen wollte, halbierte ich beide Positionen bzw. reduzierte auf 46k €. Was gut war, denn gegen Ende fielen beide wieder etwas. Beendete den Tag mit -153€.
Wenn ich eines über das letzte halbe Jahr gelernt habe, dann ist es Stressmanagement, denn während der Handelszeit ist es sehr schwer, zu antizipieren, wie man sich übers Wochenende mit den gehaltenen Positionen fühlen wird – vor allem, wenn die USA einen Blitzkrieg vollzieht. Am schlimmsten war das bei MSTR oder BTC-Derivaten, wenn sich der Bitcoinpreis bewegt und man rumrätselt, was das für die eigene Position bedeutet. Darum bleibe ich von Bitcoin-Instrumenten neben BTC selbst erstmal fern. Und klar, aufgrund der Ereignisse bin ich natürlich trotzdem nervös, was den morgigen Tag angeht. Katapultiere ich mit meinen ca. 4k€ an Optionen mein Depot endlich wieder über -30k €, oder verliere ich 4k € auf einen Schlag? Oder bleibt der Tag morgen tatsächlich flat? Naja, gerade solche Skin-in-the-game-Phasen lassen mich defintiv lebendig fühlen. Obwohl - oder weil - ich das Verlieren hasse wie jeder andere auch. Aber noch mehr hasse ich den Stillstand, weil ich zu feige für Risiken war. Ich brauche die Ungewissheit. Sie impliziert Möglichkeiten. Mit einem 100%-Hedge komme ich nicht voran.
Und wie oben schon erwähnt, riss die US-Operation mit Maduros Gefangennahme am 3. Januar den Bitcoinpreis nur kurz runter (ca. 0,5%), er erholte sich schnell und stieg weiter – gutes Zeichen. Vielleicht erleben wir morgen eine kleine Euphorie am Markt, weil die Kontrolle über die weltgrößten Ölreserven (wichtig für China, ~470.000 bpd oder 4–5% der Importe) als Booster für US-Firmen und Leverage über China gesehen wird. Kein totaler Stopp für Venezuela-Öl nach China, aber Einschränkungen möglich, kein sofortiger Wachstumsstopp dort. Frühere Russland-Venezuela-Öl-Swaps zur Sanktionsumgehung könnten behindert werden. Das ist zumindest, was ich bisher aufgeschnappt habe. Am Ende entscheidet der Markt, was davon relevant ist und was nicht. So selektiere ich übrigens auch meine Bildungsrichtung: Was ist oder wird wirklich relevant für den Markt. Alles andere ist für mich unnützes Wissen auf dem Weg raus aus dem Hamsterrad.
Tja, und durch meinen Input von Burry und Buffett/Munger habe ich nochmal den Value-Investor in mir reanimiert. So bin ich auf die Suche nach deutschen Bargains gegangen, denn der deutsche Mittelstand leidet im Gegensatz zu den DAX-Unternehmen. Hier zeigt sich nun, wer antifragil ist. Mein Augenmerk fiel auf Schott Pharma (1SXP): P/E-Ratio von 15, branchenspezifisches 52-Wochen-Tief durch starke Korrelation mit NOV (Zulieferer von Spritzen und Kartuschen für GLP-1) und US-Zölle. Somit ein guter Komplementär meiner Pharma-Sparte um NOV herum, denn NOV soll Kern meines Portfolios bilden, auf dem ich nun aufbaue. NOV macht gerade das Rebound-V, Schott wird nachziehen, wenn Nachfrage bei NOV aufs Income Statement von 1SXP durchschlägt. Schott Pharma beliefert übrigens alle führenden Pharma-Hersteller, darunter auch Eli Lilly (LLY), ist also nicht komplett abhängig von NOV, profitiert aber von einem NOV-Comeback. Zudem ist die Verschuldung gering, Marge bei 28 % und somit führend unter allen westlichen Pharma-Packaging-Firmen. Als Krönung kaufte der CFO vor zwei Wochen Aktien von Schott Pharma für über 52k €. West Pharma ist das US-Pendant mit Fokus auf Elastomere statt Glas, mehr Verschuldung, aber gute Wachstumsaussichten, P/E-Ratio von 40. Wäre Schott Pharma amerikanisch bewertet, stünde die Aktie demnach bei 30–40 €. Schott Pharma ist überdies eine Tochterfirma der Schott AG, die wiederum der Carl-Zeiss-Stiftung gehört. Und Carl Zeiss mitsamt Schott sind essenzieller für die AI-Revolution als allgemein bekannt ist. Ohne das Glas von Carl Zeiss / Schott wäre die heutige Lithografie von ASML nicht möglich – und ohne ASML kein TSMC, ohne TSMC kein NVIDIA, ohne NVIDIA kein OpenAI, keine AI-Revolution. Ich liebe es, diese Verbindungen aufzudecken. Noch mehr, wenn diese lukrativ sind. Wir werden es sehen.
Meine jetzige Aufstellung zum Jahresstart:
Privat:
Trade Republic: (-32k €, verbleibende Größe 25k €) 2000 Long-K.O. PLTR (2,2k € → 28k €), 500 Long-K.O. TSLA (2k € → 18k €)
IBKR: 5k €, keine Positionen
Geschäftlich:
EinTrickPony-Depot, IBKR: YTD 2026 -0,2 %, Größe 70k €: 200 NOV, 500 1SXP, 100 NFLX
Disclaimer: Keine Finanzberatung – nur mein öffentliches Trading-Journal.