Endlich habe ich es im privaten Depot auf -29k € geschafft. Natürlich hätte ich noch mehr Land gewinnen können, aber dafür, dass ich gestern noch auf -32k € gerutscht bin – bis Trump endlich den Markt erlöste – ist das schon ein Erfolg.
Eigentlich war klar, dass der Markt vor Mittwoch Nachmittag nicht springen würde, denn vorher war Trump nicht in Davos. Dennoch kaufte ich mich schon am Dienstag mit K.O. Longs bei TSLA, COIN und ORCL ein. Mit allen rutschte ich ins Minus und nur mein doppelter ASTS-Short kompensierte das, indem der mir am Dienstag um die 700 € einbrachte. Ungefähr das, was meine Longs im Minus waren – gutes Beispiel für „zu früh“.
Ohne Short ging ich dann in den Dienstag. ORCL hatte positive News, ein Cloud-Produkt wurde in den Review-Prozess für die US-Regierung aufgenommen. Aktie sprang in Vorbörse fast auf meinen Break-Even, verpasste aber die Halbierung (hatte am Vortag noch erhöht, um Schnitt zu senken). War nur ein Fakeout, ORCL fiel in der US-Börse wie ein Stein und rollte weiter runter bis zu 170 USD. Mein Knockout war bei 169 USD. Auf dem Weg nach unten vergrößerte ich natürlich von 2000 auf 4000 Anteile, wodurch ich auf -2k € für diese Position ging. Stieg bei 170 USD um auf ein Instrument mit Knockout bei 160 USD, da ich ja schon weiß, dass auch kurz vor dem Strike ausgestoppt werden kann. Ein paar Minuten später sprang der Aktienmarkt, weil Trump die Zölle gegen Europa erstmal vom Tisch nahm. Das Outcome, auf das alle informierten TACO-Trader gewartet hatten. Von den -2k € für ORCL kam ich runter auf -800 €, halbierte. TSLA brachte mir +700 € ein, nachdem ich bereits zu Beginn der Session mit TSLA +300 € machte, da Tech erstmal stieg – um später wieder abzuschmieren. Ich verkaufte TSLA um kurz vor 17 Uhr im Peak bei +2 % und kaufte mich erneut ein, als der Kurs wieder bei +1 % war. TSLA fiel aber auf Plusminusnull. Ich verdoppelte den Long da unten – bis eben zum Sprung am Abend. TSLA war gestern also sehr lukrativ und glich ORCL aus. Wobei ich ORCL am Ende der Session nochmal halbierte und 1000 Anteile bis heute Morgen hielt. Brachte nochmal 200 € ein, wodurch der verbleibende Verlust für meinen ORCL Long bei ca. -600 € liegt. Durch meine 900 € mit TSLA also net positiv, aber nichtsdestotrotz bitter. Hätte ich meine kompletten 4000 Anteile bis heute gehalten, wäre ich über den Break-Even gekommen. Allerdings hatten 4000 Anteile auch eine Kraft von ca. 60.000 €, wäre ORCL heute Morgen nicht grün gewesen, wäre das nach hinten losgegangen.
Es ist der ständige Kampf zwischen Angst und Gier. Außerdem besagt ein weiser Spruch unter berühmten Tradern, dass man nicht dort das Geld wiederholen muss, wo man es verloren hat. Wer das denkt, findet sich schnell in einer teuren Tram wieder.
Trotz allem hätte es mit ORCL nicht so weit kommen dürfen, immerhin war ich in der Vorbörse nur 50 € im Minus. Die Vergrößerung der Position, wenn sie gegen einen läuft, ist sowohl effektiv, wenn es nur ein Schwinger nach unten ist, als auch hochriskant und hat mich überhaupt erst auf die -35k € gebracht. Aber es ist mein Style, der oft genug funktioniert, sodass ich diesen Move nicht ablegen werde. Die Kunst besteht darin, die richtige Dosis zur richtigen Zeit zu verabreichen.
Ein technisches Hilfsmittel ist ein RSI unter 20, was die Aktie als oversold markiert und die Algos anlockt. Meistens kommt es da unten zum Rebound.
ORCL war gestern aber mehrfach bei RSI unter 20 und immer wieder folgten Rebounds, die mit einer Etage tiefer endeten. Sehr fies, weil man dadurch ständig im Glaube gehalten wird, die nachhaltige Erholung ist nur noch ein paar Candles entfernt. Aufgeben ist dadurch bei mir keine Option, sondern nur ein Double-Down. Obwohl mir das Kursverhalten eigentlich klar und deutlich sagt, dass hier auf absehbare Zeit nichts mehr gehen wird. Aber vielleicht ist es genau das, was jeder denkt, wodurch der Contrarian in mir sagt, dass jetzt genau der Punkt ist, wo stabil bleiben muss. Und zu aller Ironie kommt am Abend dann tatsächlich die erlösende God-Candle. Schade nur, dass ich auf dem Weg nach unten zu viel Kapital verloren habe, sodass die God-Candle nicht ausreichte. Ich hätte entweder viel später nachlegen sollen, oder ganz unten nochmal einen draufsetzen müssen. Doch beides ist in Hindsight einfacher gesagt als getan. Oftmals kommt man nicht auf Break-Even, weil man unten zu ängstlich war. Und oftmals kommt man erst in ein Shit-Hits-the-Fan-Szenario, weil man zu früh zu viel nachgeschossen hat.
Trading ist angewandte Schizophrenie. Man muss zwei Dinge zur selben Zeit fühlen und machen, während man die meiste Zeit besser gar nichts fühlt und macht.
Mein COIN Long konnte ich gestern übrigens nicht verkaufen, als der 100 € im Plus war. Nicht viel, aber immerhin raus aus dem Minus und warum riskieren, dass die kurze Euphorie wieder abklingt? Tat sie dann ja auch. Das Instrument bzw. der Market Maker ließ keine Order durch. War schon am Vortag ein Problem, da war ich noch im Minus. Die Orders, sogar die kleinen Test-Orders über 1 Anteil, also ein paar €, wurden erst nach Stunden realisiert. Eine Lösung wäre ein Switch auf ein anderes Instrument gewesen, aber auch gefährlich, wenn man nicht weiß, wann die Order denn ausgelöst wird – vielleicht bin ich da gerade mit einer anderen Situation zugange. COIN schmierte dann wieder auf -200 € ab.
Der Kundenservice von Trade Republic ist nur Placebo. Mir ging es nicht einmal darum, dass die mir helfen; weiß ja, dass die das sowieso nicht können, nur der Market Maker kann das. Mir war aber wichtig, dass die mal ein Feedback bekommen und es mal weiterleiten. Stattdessen wird man da noch für dumm verkauft. Angeblich ist mein Handelsvolumen zu hoch gewesen. Klar, darum gingen auch meine Mini-Orders nicht raus. Fakt ist, dass diese Freezes auch bei TSLA-Instrumenten vorkommen, und die sind hochliquide.
Naja, mit der Trade Republic ist es bei mir so wie die meisten ihre Ehe behandeln – man ist nicht zufrieden, aber man ist firm in den Fehlern, also lebt man damit.
Auf dem EinTrickPony-Depot habe ich etwas aufgeladen. NFLX habe ich aber nicht nachgekauft, auch wenn ich überzeugt von dieser Geldmaschine bin. Da will ich keinen krassen Überhang schaffen.
Meine Aufstellung:
Privat Trade Republic: -29k € YTD, 200 HIMS
Privat IBKR: 11 BRK.B
Geschäftlich EinTrickPony-Depot: 150 NOVO, 25 BRK.B, 100 NFLX, 300 HIMS, 50 ORCL (auch wenn Burry auf einen Absturz von ORCL wettet)
Disclaimer: Keine Finanzberatung – nur mein öffentliches Trading-Journal.