Blog #29

24. Januar 2026
Große Verluste, große Entwicklung

Gut, gut, so weit so gut. Gestern konnte ich auf dem privaten Depot nichts mehr bewirken außer ein Plusminusnull. Mein ASTS Short brachte etwas mehr als 150 € ein, das deckelte meinen misslungenen PLTR Short. TSLA Short 500 Anteile K.O. Put lief erst auf -300 €, konnte ich aber durch Verdoppelung auf 1000 Anteile der Position bei Peak wieder glätten. Den 100 € Profit realisierte ich nicht, da sich auf mehr Kurssturz setzte. Stattdessen ging TSLA wieder etwas hoch. Platzierte mich bei TSLA dann auf beiden Seiten, also long und put, was in keine Richtung Erfolg brachte (Idealszenario hier: Preis schwenkt in eine Richtung, Profit nehmen, warten, bis Kurs wieder in die andere Richtung läuft – oder sogar Position im Minus erhöhen, um schneller auf Break-Even zu kommen). Gestern gab es bei TSLA dafür aber zu wenig Volumen, sodass ich am Ende alle Positionen bis auf mein ORCL K.O. Put abstieß. Als Hedge für meine ORCL-Aktien auf dem EinTrickPony-Depot. In Summe stehe ich jetzt ganz knapp über -29k, also -28.983 €. Mein höchster Stand seit September, wo ich am 11. September ca. 7,5k € abschmierte. Im Folgenden meine damalige Aufzeichnung aus meinem Trading Journal:

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17:20 Uhr: TSLA hat mich erwischt. Dümpelte zu Beginn von 1 % auf 0,5 % herum, da nahm ich dann an, dass es jeden Moment fällt. Habe auf 0,5 erhöht. Von da an ging es aber stramm nach oben, Peak vorhin 4,5 % und -4000 € in meiner Position, weil ich auf dem Weg nach oben weiter nachlegte. In der Retroperspektive war das wieder mal zu früh zu viel, aber nach der Schwäche hätte ich keine 362 USD Spitze erwartet. Höhe der Position beträgt 22700 € plus Verlust von 3666 €. Dieses Gefühl der Ohnmacht hatte ich gerne auf ewig vermieden, aber man kommt schneller rein, als man denkt. Gleiches habe ich übrigens bei Palantir gemacht und es funktioniert, PLTR wabbelte noch und ging dann runter. Da 1000 Anteile verkauft, erholte sich, sodass ich später wieder auf 100 % rein kann. Aber TSLA überschattet das natürlich bei weitem.

21:29 Uhr: Wahnsinn. Ohne es wirklich zu merken, habe ich mich vollkommen in den TSLA Short verrannt. Nach und nach aufgestockt, sodass ein Monster an Position entstand. Im Nachgang sehe ich keine übertriebene Handlung, sondern die Summe an kleinen Taten, die am Ende einen großen Fehler ergeben haben. UND TSLA zeigt keine Schwäche. Mit dem Verlust muss ich mich also anfreunden. Über die Nacht nehme ich diese riesige Position bestimmt nicht mit.

21:54 Uhr: Bin nun runter auf 100 %. Ich brauche feste Regeln, damit sich solch eine Position nicht wieder einschleicht. Vielleicht max. 3:1 Überhang. Oder sogar 2:1. Wobei es natürlich schwierig wird, morgen bei Börseneröffnung die Position nicht gleich wieder groß zu beginnen, da TSLA tatsächlich noch ein neues Tageshoch nach meinem Ausstieg erreichte.

Geschäftliches Depot beendet heute mit +960 €.

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Unglaublich, dass ich damals solche Verluste verursachte. Und welche Wucht an Selbstverachtung mich damals überkam – eine Negativspirale, die ihren Anfang mit dem Bruch meiner Siegesserie einen Monat vorher hatte. Die Selbstzweifel und Angst, immer mehr zu verlieren, lag wie ein Fluch auf mir. Ich war extrem gehemmt und gleichzeitig wollte ich unbedingt einen großen Gewinn landen, um schnell zurück auf die Spur zu kommen. Und genau das führte zu noch mehr Fehlern. Ich verriss über 30k innerhalb von vier Wochen. Die krassesten Tage waren:

19. August -2400 €, 20. August -4400 €, 21. August -1000 €, 22. August -6000 €, 25. August -3200 €, 05. September -907 €, 11. September -7500 €, 12. September -5500 €, 15. September -1000 €.

Seither dümpelte ich zwischen -30k und -36k herum, mit einem Ausreißer auf sogar -40k, weil meine Positionen für ein paar Stunden extrem gegen mich liefen. Im Oktober zeichnete ich meine tägliche P&L nicht mehr auf, konnte es nicht mehr. Im November dann wieder festgehalten, aber Ende November ersetzte ich mein Trading Journal durch diesen Blog hier.

Rückblickend sind diese enormen Verlusttage surreal und zeigen, wie verzweifelt ich war, sodass ich diese krass hohen Einsätze fuhr, um es ungeschehen zu machen. Erst, als ich endlich voll akzeptiert hatte, dass ich so schnell nicht zurückkommen würde, reduzierte ich die Einsätze und entwickelte endlich eine Disziplin, die keineswegs reißfest war, aber immerhin ein Fundament für neues Selbstvertrauen bildete. Und diese Disziplin brachte mich von den -36k (von mir aus auch von -40k) zurück auf jetzt -29k

Natürlich ist das noch weit entfernt von der Null, aber ich habe im Leben gelernt, dass man große Vorhaben in kleine Etappen zerlegen muss, sonst packt man es nicht. Höchstes Ziel war für mich, über die -30k zu kommen. Und zwar nicht nur auf 29,9k, sondern aussagekräftiger, weit genug weg, sodass mich ein Schwenker in die falsche Richtung nicht gleich wieder unter -30k wirft.

Ist -29k weit genug? Ich werde es herausfinden.

Jedenfalls könnte mein Slogan lauten "Never -30k again", allerdings verursacht das wieder Druck, denn Schwenker passieren und sind vielleicht nur das Vorspiel zum Katapult nach vorne. Der Gedanke an Verlust darf nicht lähmen, soll nur zur Bedacht erzwingen. Das hier ist alles ein Psycho-Game, Etappensiege sind essenziell für die Moral und Moral ist essenziell fürs Überleben. Ein Gensundes Misstrauen gegenüber sich selbst, ist in meinen Augen die wichtigste Line of Defense, solange es Risktaking nicht komplett verhindert. No Risk ist Konservierung des Status quo - und mein Status quo ist okay, aber gewiss nicht, was ich die nächsten Jahrzehnte konservieren will. Mein Status quo soll wachsen, denn Wachstum ist Leben - nehme ich zumindest an. Und mit Wachstum rede ich nicht nur Geld, sondern vor allem Charakter. Verluste sind die Bausteine für Charakter. Und von den Steinen habe ich mindestens eine Legokiste voll.

Also dann, was auch immer die kommende Woche bringt, ich bin auf alles vorbereitet. Auf der Trade Republic bin ich bis auf den ORCL Put flat, wenn der Markt also fällt, fange ich wenigstens diesen Verlust auf. Steigt er, oder zumindest meine Auswahl, dann bessere ich auf dem EinTrickPony-Depot auf, indem ich mit Sorgfalt meinen Verlust im ORCL-Put heraustrade.

Kommende Woche passiert ja auch wieder einiges: Mittwoch TSLA Earnings, dazu die FED-Entscheidung und was auch immer Trump schon wieder macht. Vom Gefühl her hätte ich gerne all meine Shorts von gestern mit in die Woche genommen, allerdings wollte ich erstmal reinen Tisch machen und nicht wieder übers Wochenende unter Strom stehen, in Antizipation, wie Montag der Markt öffnet. Das ist vermutlich das Schwierige am Traden. Beobachten und abwarten, ohne sich unproduktiv oder zeitverschwendend zu fühlen.

Ungeduld ist der größte Treiber für Verschwendung. Ungeduld is the enemy.

Aber, aber, es ist eine Sache, diese Weisheit zu formulieren, eine ganz andere, sie auch konsequent anzuwenden, während der Höhlenmensch rote und grüne Kerzen beobachtet und sieht, wo man schon Geld verdient hätte, wäre man drin gewesen. Während man die Situationen, in denen man schon Geld verloren hätte, gerne ignoriert. Trotzdem, es gibt kein effektiveres Mittel, um besser zu werden, als den eigenen Bockmist zu reflektieren – je schmerzhafter, desto besser. Auch wenn es manchmal dauert: Wer aufgibt, wird definitiv nicht besser, sondern verschleppt seine Charakterschwächen nur in andere Bereiche, wo sie sich einfacher verstecken lassen. Geld ist ein hervorragender Spiegel, kein Wunder, dass viele behaupten, sie hassen Geld oder Geld sei die Wurzel allen Übels. Ich aber brauche Ehrlichkeit, und ich wüsste nicht, was ehrlicher ist als Geld. Wer keines hat, wird von seinen Fehlern beherrscht. Wer viel davon hat und behalten kann, beherrscht nicht nur die eigenen Fehler, sondern vor allem die der anderen.

Keine Ahnung, wie weit diese Prämisse haltbar ist, sie klingt aber klug, also lasse ich sie mal so stehen. Falsch zu liegen, ist schließlich nur eine Frage der Zeit. Was auch wieder klug klingt.

Meine Aufstellung:

Privat Trade Republic: -29k, 500 K.O. Put ORCL

Privat IBKR: 11 BRK.B

Geschäftlich EinTrickPony: 0,8 % YTD, 150 NOVO, 300 HIMS, 25 BRK.B, 50 ORCL, 100 NFLX

Disclaimer: Keine Finanzberatung – nur mein öffentliches Trading-Journal.

Ab sofort poste ich alle neuen Beiträge unter dem Handle
roundclock.substack.com

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